| Der folgende Aufsatz
wurde im Rahmen einer Examensarbeit von Frau Mareike Bartkowski
geschrieben. Interessant ist wie eine Frau diesen Männerbund sieht.
Gliederung A. Einleitung
C. Weltumspannende Ausrichtung
E. Die Organisation der Logen F. Geschichte der Freimaurerei G. Ausblick: Hat die Freimaurerei Zukunft? H. Zusammenfassung A. Einleitung Sie gehört zum Standardrepertoire der größten Häuser. Für viele Opernliebhaber steht sie hoch oben an erster Stelle: Mozarts Zauberflöte. Wer unter den vielen, welche der wunderbaren Musik lauschen, ist sich voll bewußt: die Zauberflöte beschreibt die Freimaurerei. Mozart, der große Komponist, hat die Freimaurerei in seiner Sprache beschrieben, der Musik. Andere haben durch Taten gewirkt: Stresemann und Briand haben Deutschland und Frankreich nach den Schrecken des ersten Weltkrieges versöhnen wollen. Carl von Ossietzki, deutscher Friedensnobelpreisträger im Dritten Reich, starb an den Folgen seiner Gestapohaft. Alle waren sie Freimaurer. Wofür haben sie gelebt? B. Inhaltliche Ziele der Freimaurerei 1. Begriffsbestimmung Die Freimaurerei ist eine international verbreitete Bewegung von humanitärer, der Toleranz veschriebener, auf lebendige Bruderschaft abzielende Geisteshaltung (1). Nach ihrem eigenen Anspruch soll sie durch rituelle Handlungen geistige Vertiefung und sittliche Vervollkommnung ihrer Mitglieder erzielen. Hauptziele sind Erziehung zur Nächstenliebe, Duldsamkeit und Wohltätigkeit (2). Diese Hauptziele bedeuten für das einzelne Mitglied des sog. Ordens, daß es sich auf Dauer auf die sittlichen Werte und Überzeugungen ausrichten soll. Seine Handlungen sollen sich am einzelnen Mitmenschen ausrichten, dessen persönlicher Situation Rechnung tragen und ihn als Teil der menschlichen Gesellschaft fördern. Durch die Förderung des Einzelnen soll die Humanisierung der Gesellschaft erreicht werden. Gesellschaftlich lassen sich die freimaurerischen Inhalte am besten als christlich, demokratisch - pluralistisch und nachdrückliche Ablehnung totalitärer Ideen ausdrücken. 2. Humanitärer und christlicher Inhalt Religion und Maurerei unterscheiden sich in ihren geistlichen Ausrichtungen. Die Weltreligionen wollen den Menschen in erster Linie auf das Leben nach dem Tod vorbereiten. Sie sind auf das Jenseits und "nach oben", Gott, zugerichtet. Das Freimaurertum richtet sich auf das Erdenleben. Nicht um des himmlischen Lohnes soll der Mensch das Wahre und Gute verwirklichen. Er soll diesseitig bereits nach Vollendung streben und zum wahren Menschen werden, wie ihn der Humanismus versteht (3). "Humanitär" ausgerichtete Logen stellen weltweit die Mehrzahl dar. Ihnen stehen die christlich ausgerichteten Logen gegenüber. Letztere finden sich überwiegend in Deutschland und Skandinavien. Sie verlangen von ihren Mitgliedern ein offenes Bekenntnis zum Christentum. Jüdische Logen haben darin vorübergehend eine Diskriminierung gesehen (4). In den Grundlagen gibt es zwischen humanitären und christlichen Logen keine wesentlichen Unterschiede. Sie finden sich jedoch bei der freimaurerischen Arbeit und der Entwicklung des Freimaurers in seiner Loge. Die christlichen Logen verlangen im letzten eine Ausrichtung gemäß dem Jesuswort "Jener ist mein Bruder, der den Willen meines Vaters erfüllt" (5). Auf das Bekenntnis zum christlichen Glauben wird vom Eintritt in die christliche Loge an Wert gelegt. Er wird durch die Bibel verkörpert. Dennoch ist Glaube im freimaurerischen Sinne nicht Glaubens- sondern Tatbekenntnis (6). Dementsprechend verlangt die freimaurerische "Weihe zur geistlichen Ritterschaft" Aufopferung für die leidende Menschheit, nicht jedoch die Verteidigung eines bestimmten Glaubensdogmas (7). Die christlichen Inhalte der Freimaurerei sind daher unabhängig von Konfessionen. Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche wird nicht verlangt. Dennoch sind christliche Freimaurer in der Regel kirchlich gebunden. 3. Politischer Inhalt Das demokratisch - pluralistische Verständnis der Freimaurerschaft verlangt das sich Bekennen und Einsetzen für einen freiheitlichen Rechtsstaat (8). In seiner Verfassung müssen die Menschenrechte und eine Gewaltenteilung vorgeschrieben sein, die einzelne Verfassungsorgane wirkungsvoll an Machtmißbräuchen hindern kann. Als Gegner des Absolutismus entwickelte Montesquieu aus freimaurerischer Überzeugung seine Lehre von der Gewaltenteilung: Esprit des Lois (9). Frei von Ideologie bedeutet für Freimaurer nicht gleichgültiges Gewährenlassen, sondern konsequente Absage an jeden Totalitätsanspruch. Es ist feste freimaurerische Überzeugung, daß es keine universalen Aussagen zu Wirtschaft, Politik und Gesellschaft geben darf, die für alle Menschen gleichermaßen verbindlich sein können. Die Verfolgung der Freimaurer durch totalitäre Systeme wie dem Naziregime oder dem Kommunismus waren bittere Konsequenz (10). Der Freimaurer wendet sich jedoch nicht gegen den Staat. Die erste englische Freimaurerverfassung, the Anderson Constitutions, vom 28. Februar 1723, gilt insoweit noch heute: "Der Maurer ist ein friedlicher Bürger des Staates, wo er auch wohne und arbeite. Er darf sich nie in einen Aufstand oder eine Verschwörung gegen den Frieden der Nation verwickeln lassen" (11). Kirchenpolitisch wurde die Freimaurerei zwischen 1738 und 1918 zwölfmal päpstlich verurteilt und exkommuniziert. Nach dem zweiten Weltkrieg hat die Kirche den Dialog aufgenommen, aber erst 1972 die Exkommunikation der Mitglieder der Logen aufgehoben. 4. Gesellschaftlicher Inhalt Der Bruderschaftsgedanke steht im Mittelpunkt jeder Gemeinschaft von Freimaurern. Unterschiedliche berufliche und soziale Herkünfte verbinden sich in Gleichheit. Weder soziale Schicht, noch Bildung, noch Besitz gewähren irgendein Vorrecht. Die Freimaurerei macht jedoch Halt vor einer Gleichmacherei totalitärer Systeme. Sie erkennt daher vorhandene Unterschiede an, verbindet damit jedoch keine zusätzlichen Rechte. Die Pflicht, den anderen als Gleichen und als Gottes Kind anzusehen, steht im Vordergrund (12). Die humanitäre Ausrichtung der Freimaurerbewegung verlangt nicht nur brüderliche Hilfe und Unterstützung untereinander. Nächstenliebe und Wohltätigkeit führen auch zu vielfältigen freiwilligen sozialen Leistungen und Einrichtungen, über die entsprechend dem Anspruch der Bescheidenheit wenig öffentlich bekannt wird. C. Weltumspannende Ausrichtung Das Freimaurertum ist international. Es umfaßt eine Gemeinschaft von sechs Millionen Mitgliedern weltweit. In Übereinstimmung mit ihren Zielen nimmt sie keine Rücksicht auf Äußerlichkeit oder Rassen. Toleranz und brüderliche Liebe verbindet über Grenzen und Religionen hinweg (13). Freimaurertum muß daher jeden Rassismus zurückweisen und auf Aussöhnung drängen. D. Freimaurerische Arbeit 1. Sinn der Arbeit Die Erziehung der Freimaurer im Sinne ihrer humanistisch - christlichen Ziele findet in den sog. "Tempelarbeiten" statt. Die dort gewonnene Selbsterkenntnis schärft Gewissen und Verantwortungsgefühl gegenüber Staat und Gesellschaft. Mit Hilfe von Symbolen und rituellen Handlungen lernt der Freimaurer, bewußt einer Überbetonung der Vernunft und rein rationalen Denkansätzen entgegenzuwirken. Im "Tempel", einem Raum der Besinnung, soll zugleich Abstand von einer Gesellschaft gesucht werden, die immer stärker materialistisch ausgerichtet ist (14). 2. Symbole und Zeichen Der freimaurerische Kult ist erst etwa 200 Jahre alt. Er geht auf die in Europa beheimateten Steinmetzlogen des 17. Jahrhunderts zurück. Das handwerkliche Brauchtum wurde übernommen (15). Andere Symbole finden ihren Ursprung in vorchristlicher Zeit. Ideogramme wie das Rechtkreuz, um das die Sonne ihre Bahn zieht, gehen auf Runen, altgriechische und (16) frühägyptische Mythologie zurück. Auch Zahlen spielen eine wichtige Rolle. Einige Beispiele müssen hier genügen. Wasserwaage, Senkblei und Winkelmaß gehen auf die mathematischen Urformen von Zahl, Maß und Gewicht zurück. Das Senkblei bedeutet, daß eine Mauer "im Senkel ist". Übertragen bedeutet das Lot, daß auch die Handlungen des Freimaurers senkrecht sein sollen und damit rechtens zur Umwelt stehen. Winkelmaß und Wasserwaage sind Zeichen, die das geistige Rüstzeug des Freimaurers auf seinem Weg zur Selbsterkenntnis darstellen. Sinnbilder sind Kelle, Hammer und Zirkel. Sie erinnern am stärksten an die Baukunst. Christliche Logen geben dem Hammer auch die Bedeutung des Kreuzes. Der Zirkel der Vernunft ist gleichzeitig ein Symbol der im Kreis geschlossenen Unendlichkeit (17). Rauher, behauener Stein und Reißbrett haben zentrale Bedeutung. Die Sinnbilder verdeutlichen verschiedene Grade der Vollkommenheit des freimaurerischen Weltbildes und seiner Erziehung. Das Reißbrett verkörpert ewige Ordnung und unveränderlichen Plan. Es gibt weitere Zierbilder und sog. Gleichnisse. Zu ihnen gehören auch Sonne, Mond und zwei Säulen. Eine verkörpert den Menschen, die andere den Grund, auf dem sein Leben Festigkeit und Bestand findet. Auch Zahlen spielen eine Rolle. Vor allem die Zahl drei. Sie spiegelt sich im Dreieck wieder, das auch die christlichen Religionen verwenden (18). Es liegt auf der Hand, daß in christlich ausgerichteten Logen die Bibel den Mittelpunkt der freimaurerischen Arbeit bildet. 3. Verwendung von Zeichen und Symbolen Die Freimaurer haben sich mit den zu Sinnbildem erhobenen realen Gegenständen ein Brauchtum geschaffen. Mit ihm glauben sie, veredelnd auf den Menschen einwirken zu können. Dies zeigt sich am Werdegang des Freimaurers innerhalb seines Logenlebens. Neu aufgenommen wird er als "Lehrling" an den "unbehauenen Stein" herangeführt. Er stellt das eigene unbehauene Wesen dar. Der Lehrling muß ihn zum vollendeten Quader, dem "Kubus", bearbeiten. Dem "Gesellen" ist die letzte Arbeit vorbehalten. Der "Meister" selbst beherrscht die Kunst des Einfügens des Kubus in den Bau des Kosmos. Dies geht zurück auf ein Bild aus der Offenbarung des Johannes. Dort beschreibt der Seher das Bild einer Stadt in den Ausmaßen eines Kubus (19). In der Öffentlichkeit gibt es immer wieder Mißverständnisse über das Freimaurertum und "das, was dort geschieht". Dennoch ist die Freimaurerei kein Geheimbund. Im Mittelalter war die Kenntnis von Zeichen, Formeln und Paßworten streng gehütetes Geheimnis. Sie wurden mündlich weitergegeben. Dies geschah auch nur, soweit unbedingt für den Bauplan nötig. Oft hing der Lohn davon ab. Heute sind die Kenntnisse nur historisch und symbolisch. Die Pflicht zur Bewahrung hat für Freimaurer in erster Linie pädagogischen Wert. Ziel ist Vollendung in der Schweigsamkeit, auf die sich das Vertrauen anderer gründen kann (20). Mozarts Zauberflöte vermittelt einen guten Einblick in die Symbolik und das Wirken der Freimaurer in den drei "Graden". Ihre Beschreibung hat heute noch ihre Gültigkeit. Wir finden die meisten Symbole wieder. Achten wir beim nächsten Opernbesuch nur auf die Zahl Drei! E. Die Organisation der Logen In Deutschland sind die Logen eingetragene Vereine. Ihre Satzung ist beim Registergericht hinterlegt. Dort wird jeder Wechsel im Meisteramt oder im Vorstand angezeigt. Die Bilanzen der Logen werden den Finanzämtern vorgelegt. Die Mitglieder einer Loge wählen in freier Wahl ihren Vorsitzenden, den Meister vom Stuhle bzw. Logenmeister. Die Logenmeister wählen auf dem Großlogentag den Großmeister und seine Mitarbeiter in der Führung der Großloge. Auch die Großlogen sind eingetragene Vereine oder Körperschaften öffentlichen Rechts (21). Sie ordnen die Beziehungen der Logen zueinander und wachen über die Einhaltung von Satzung und Gebräuchen. Das Freimaurertum hat jedoch keine die ganze Erde umfassende Organisation. Es besteht eine innere Zusammengehörigkeit der Freimaurer. Sie bilden eine weltumspannende "Bruderkette". F. Geschichte der Freimaurerei Die Bezeichnung "freemason" ist seit 1376 belegt. Sie entspricht der deutschen Berufsbezeichnung des Steinmetz. "Lodge" bezeichnet seit 1278 das den Bauhandwerkern als Werkstatt und Versammlungsraum dienende Holzgebäude. Seit dem 14./15. Jahrhundert bezeichnet es auch die Gruppe der dort arbeitenden Bauhandwerker (22). Die Bedeutung der mittelalterlichen Bauhütten der Werkmaurer sank mit der Reformation. Die großen Bauhütten von Straßburg, Wien, Köln und Bern gerieten in Vergessenheit. Die Zeit des Baues der mächtigen gotischen Dome ging zu Ende. Die Hochschulen der Baukunst, die sich besonderer Freiheiten und Rechte erfreuten, übertrugen ihr Wissen von der operativen in die spekulative bzw. symbolische Maurerei (23). Sog. Gentleman-Freemasons erhielten Zutritt. Am 24. Juni 1717, dem Johannistage, schlossen sich erstmalig vier Londoner Logen zur gemeinsamen Abhaltung des Johannisfestes zusammen. Damit entstand die erste Großloge. Innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne von nur 30 - 40 Jahren verbreitete sich die symbolische Freimaurerei nicht nur über das europäische Festland aus. Sie folgte den kolonisierenden Briten über alle Kontinente. Logen gründeten sich aber auch bald in Rußland und Polen. In Skandinavien dauerte es jedoch bis Anfang des 19. Jahrhunderts. In Deutschland wurde die erste Loge 1737 in Hamburg gegründet. Die Bewegung erhielt besonderen Auftrieb durch den Eintritt Friedrichs des Großen (24). Vor 1933 arbeiteten in Deutschland etwa 76 000 Freimaurer. Das nationalsozialistische Regime verfolgte die Freimaurer. Es zog ihre Vermögen ein und schloß ihre Logen. Hitler sah in den ihm geistig Widerstand leistenden Logen eine große Gefahr für seine totalitären Pläne (25). Die nach 1945 wieder entstandenen Logen schlossen sich 1958 zu den "Vereinigten Großlogen von Deutschland" zusammen. Sie umfassen heute etwa 21 000 Mitglieder. G. Ausblick: Hat die Freimaurerei Zukunft? Über die tatsächliche Entwicklung der Freimaurerei läßt sich nur spekulieren. Es scheint, als habe die Bewegung Mühe, sich gegen die weitere Materialisierung und innere Beziehungslosigkeit der Menschen und der Gesellschaft durchzusetzen. Sie mag dieses Schicksal mit dem Humanitätsgedanken und den geistlichen Anforderungen der Religionen teilen. Dabei macht gerade die gegenläufige Tendenz von Gesellschaft und Politik das Erstarken einer humanitären Ausrichtung des Einzelnen und "seines Bruders" um so wichtiger. Das christlich freimaurerische "Jeder steht im Dienst des anderen" könnte mit seiner sozialen Komponente (26) zum Baustein einer wieder menschlicheren Gesellschaft werden. Kirchen erstarkten im Widerstand gegen das totalitäre Machtsystem der DDR. Kann es für das Freimaurertum eine Renaissance gegen die Verrohung und den fortschreitenden Rassismus in unserer Gesellschaft geben? Liegt hier seine Aufgabe, der es sich aktiv stellen muß? - Die Anwort liegt bei den Freimaurern. H. Zusammenfassung Entstanden aus den Bauhütten des Mittelalters haben die Logen auf die geistliche und humanitäre Entwicklung unserer Gesellschaft durch die Jahrhunderte maßgeblichen Einfluß gehabt. Ihre Ziele unterstützen unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung. Sie werden dem einzelnen Freimaurer in seinem Werdegang in der Loge vermittelt. Er verbreitet sie weltumspannend durch gelebten Humanismus, den Dienst am anderen. Christliche Logen unterlegen diesen Anspruch weiter. Gegen wachsende Intoleranz, Anspruchsdenken und Rassendiskriminierung in unserer Gesellschaft bietet das Freimaurertum weltweit einen vielversprechenden Lösungsansatz. Anmerkungen:
©1997 Mareike Bartkowski |
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